Beitrag zum Klimagipfel 2021

Bei einem sommerlichen Waldspaziergang in Schweden ist mir ein riesiger Ameisenhaufen aufgefallen. Ich war fasziniert von dem großartigen Bau, den diese Lebewesen zustande gebracht haben, fasziniert auch davon, welche enormen Fähigkeiten diese kleinen Insekten von Gott bekommen haben. Beim Nachdenken darüber, wie das gehen kann, wird schnell klar: durch ein friedliches Miteinander und durch Zusammenarbeit aller. Was nicht sofort auffällt, gehört auch dazu: es steckt ein göttlicher Plan dahinter.

Natürlich sind wir Menschen viel höher entwickelte Lebewesen, als die Ameisen. Und es kommt dazu, dass wir nicht nur Teil eines Kollektivs sind, sondern jede(r) für sich eine eigenständige Persönlichkeit. Trotzdem die Frage: Was können wir lernen von den Ameisen?

  1. Friedliches Miteinander

Eine Gemeinschaft, die stärkt, ist nur möglich, wenn die Gemeinschaft selbst ständig gestärkt wird. Ein Auftrag an jeden von uns: einen Beitrag zu leisten für ein friedliches Miteinander. Wenn wir einen Blick auf die Ereignisse in Afghanistan werfen, dann können wir sehr, sehr dankbar sein, dass in unserem Land ein friedliches Miteinander möglich ist. Friede ist etwas sehr fragiles, weil sich Unfriede sehr rasch wie eine Pandemie ausbreiten kann. Streit in der Familie oder mit den Nachbarn, Groll auf politisch Anders-Denkende oder Verachtung von Menschen, die einen anderen Lebensstil pflegen, schwächt die Gemeinschaft und damit jeden Einzelnen. Mein Großvater, der Krieg und Vertreibung erlebt hat, hat mich immer zur Versöhnung angehalten. Und wenn ich dann gesagt habe: „Ich hab ja nicht angefangen, sondern der …“. Dann habe ich zur Antwort bekommen: „Aber du kannst anfangen mit der Versöhnung!“

In einer Gemeinschaft werden wir uns immer auch gegenseitig weh tun. Eine Gemeinschaft, die stärkt, ist eine Gemeinschaft der Versöhnten. Versöhnung tut gut. Das spürt man aber nur, wenn man sich darauf einlässt.

  1. Zusammenarbeit aller

In Anlehnung an die von Papst Franziskus herausgegebene Enzyklika FRATELLI TUTTI plädierten die österreichischen Bischöfe im November 2020 für „Verbundenheit und Zusammenarbeit über alle kulturellen, religiösen, geografischen, ethnischen und politischen Grenzen hinweg“. Und allein beim Blick auf die Klimakrise (und es gibt ja genug andere Krisen) wird sichtbar: es geht nur mit dieser Verbundenheit und Zusammenarbeit aller. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Original und jeder Mensch hat einen Auftrag Gottes zur Gestaltung der Welt. Das bedeutet aber auch: auf mich kommt es an. Mein kleiner Beitrag ist gefragt. Der eine fährt im Ort mehr mit dem Fahrrad statt dem Auto, die andere vermeidet Plastikflaschen, und wieder andere lassen sich eine Photovoltaik-Anlage errichten. Da ist aber noch etwas anderes, wahrscheinlich Bedeutenderes, das jeder tun kann: die Wertschätzung des Anderen, der eine andere Religion hat, einer anderen politischen Partei angehört, einem anderen Kulturkreis entstammt. Vielleicht hat ja genau dieser Andere mit seinen Fähigkeiten und seinem Auftrag Gottes einen wichtigen Schritt zur Lösung parat.

  1. Göttlicher Plan

Als gläubige Menschen dürfen wir sagen: Gott hat einen Plan und es ist ein Liebesplan. Zugegeben: es sieht für uns nicht immer danach aus, und wir verstehen Gott oft überhaupt nicht. Trotzdem ist es lebenswichtig, das nicht aus den Augen und aus dem Herzen zu verlieren: Gott hat einen Liebesplan!

„Gott ist Vater, Gott ist gut. Gut ist alles, was er tut“. Dieses Gebet habe ich bei geistlichen Schwestern gehört und ich habe sie damals gefragt, ob sie sich da sicher sind, dass es so ist. Die Antwort war: „Wir verstehen Gott auch nicht immer, aber wir glauben daran, dass es so sein muss und deshalb beten wir es jeden Tag.“

Wir leben auch in Gemeinschaft mit Gott, und das stärkt unglaublich – wenn wir uns dessen bewusst sind. Gott ist leise, sehr leise und zurückhaltend. Darum tut es gut jeden Abend darüber nachzudenken, was im Lauf das Tages schön war und Gott dahinter zu sehen. Den ganzen Plan Gottes können wir nicht verstehen, aber seine kleinen Geschenke können wir wahrnehmen und genießen.

Weil uns Gemeinschaft stärkt, wollen wir diese Gemeinschaft pflegen, wollen wir Teil davon sein und andere daran teilhaben lassen. Gott braucht uns – auch und vor allem für die Gemeinschaft.

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