„Daheim bin ich nicht in einer Vierzimmerwohnung, sondern wo ich verstanden werde.“

Wer immer das gesagt hat, hat damit zum Ausdruck gebracht, was die Gabe des Verstandes (oft auch Gabe der Einsicht genannt) bewirken kann.

Du bist im Teil 3 über die 7 Gaben des Hl. Geistes – diesmal geht es um die Gabe des Verstandes.

Die Gabe des Verstandes schenkt ein ganzheitliches Verstehen mit allen Kräften der Seele: Vernunft, Wille und Gemüt. Wer sich so ganzheitlich verstanden fühlt, weil er jemandem begegnet, der diese Gabe hat, der fühlt sich daheim.

Josef Kentenich hatte diese Gabe in besonderem Maß. Leute die bei ihm zur Beichte oder zu einem persönlichen Gespräch waren, haben immer wieder berichtet: „Der versteht mich besser, als ich mich selbst.“ Es war das aber kein unangenehmes Durchschaut-Sein, sondern eine Wohltat für die Seele: Hier werde ich verstanden und ich werde so wie ich bin bejaht.

Ein Mann, der bei Pater Kentenich zur Beichte war, erlebte Folgendes: Er kritisierte zunächst die Anderen, weil sie so lange für die Beichte brauchten, schließlich könne er das in 5 Minuten. Als er dann dran war, war er wirklich in ein paar Minuten mit dem Aufsagen seines Katalogs fertig. Aber dann griff Pater Kentenich eine Kleinigkeit auf und öffnete ihm einen Blick in seine Grundanlagen und auf die Spuren der göttlichen Führung, die sich vorsehungsgläubig erkennen ließen. Der Mann war fast wie erschlagen von diesem tiefen, absoluten Verstehen bis in die letzten Wurzeln der Persönlichkeit. Er musste dann allerdings etwas boshaft belächelt von den Anderen hören, dass seine Beichte nicht 5 sondern 25 Minuten gedauert hatte.

Ein Bild, wie es nicht geht, gibt uns das Gleichnis vom Esel, der zwischen 2 Heuhaufen steht, die beide gleich weit entfernt sind. Er verhungert, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen Heuhaufen er zuerst fressen soll. Bevor wir über den dummen Esel lachen, können wir darüber nachdenken, wie oft wir hin und her gerissen sind zwischen den vielen Möglichkeiten des Lebens.

Verstehen und Verstanden werden – eine Wohltat für die Seele, eine Kraftquelle sondergleichen.

Darum wollen wir heute Gott mit den Worten König Salomons bitten (1Kön 3,9): „Herr, schenke mir ein hörendes Herz.“

Schreibe einen Kommentar