Durchhalten oder Aufbruch?

Wir sind coronamüde. Wann ist das endlich vorbei? Die derzeitige Situation ist unangenehm und der Frustpegel steigt.

Als gläubiger Mensch fragt man: „Guter Gott, was willst du uns damit sagen?“ Kardinal Schönborn wurde in einem Zeitungsinterview gefragt, ob Corona eine Strafe Gottes sei. Unser Kardinal hat das ganz klar verneint. Die Zeiten, wo ein strafender Gott verkündet wurde, haben wir Gott sei Dank schon hinter uns gelassen. Und wir können davon ausgehen, dass Gott einen Liebesplan hat.

Also: Alles wie geplant. Noch ein wenig durchhalten, dann haben wir’s geschafft! Na ja, so auch wieder nicht. Durchhalteparolen können zwar kurzfristig weiterhelfen, sind aber nicht geeignet für die Problemlösung und schon gar nicht für ein nachhaltiges Wachstum.

Gott ermuntert immer wieder zum Aufbruch. Da gibt es unzählige Stellen in der Bibel, die das belegen. In Gen 12 steht: „Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg aus diesem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ Auch die Flucht von Moses mit seinem Volk aus Ägypten ist ein Aufbruch. Oder die Jünger, die ihre Fischernetze fallen lassen und Jesus nachfolgen: ein Aufbruch. Aufbruch bringt Veränderung, Durchhalten bringt Krampf und Starre.

Aber das Gewohnte ist so angenehm, damit fühlt man sich wohl, damit kennt man sich aus. Ein Großteil unseres Unbehagens an der jetzigen Situation führt daher, dass alles nicht mehr so ist, wie wir es gewohnt sind. Die eigentliche Herausforderung ist: die Veränderung anzunehmen und etwas daraus zu machen. In einem Buch habe ich über Josef Kentenich gelesen, der im Konzentrationslager Dachau interniert war. Auf die Frage eines Mithäftlings: „Ob wir hier wohl lebend wieder herauskommen?“, hat er geantwortet: „Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob wir hier den Willen Gottes tun?“. Und Kentenich hat im KZ einfach Seelsorge gemacht, so weit es ihm unter diesen Umständen möglich war. Und er ist lebend wieder herausgekommen. Aufbruch statt nur Durchhalten.

Etwas Neues kommt auf uns zu und es wird schön sein. Natürlich ist der Umbruch nicht angenehm, aber wenn wir ihn als Aufbruch in eine schönere Zeit sehen, dann macht es Freude. Ein Kind zu gebären ist auch sehr schmerzhaft (als Mann kann ich das zwar nicht richtig beurteilen, aber ich war zumindest zwei Mal dabei und habe ein wenig mitgelitten). Aber die Freude ist riesengroß, wenn das Kind dann da ist. Und es ist auch ein Aufbruch: als Paar wird man dadurch aus der angenehmen Zweisamkeit herausgerissen. Die Tage nach den schlafarmen Nächten erfordern zwar ein Durchhalten, aber was fortdauert ist die Freude und der Stolz, neues Leben hervorgebracht zu haben.

In einem Vortrag habe ich gehört: Der gefährlichste Moment für das Christentum war, als die Jünger nach der Kreuzigung wieder ihrem ursprünglichen Beruf nachgehen wollten. Also: Zurück in die alte Normalität. Der Tod von Jesus wäre sinnlos gewesen, wenn sie das durchgezogen hätten.

Sollen wir alle diese Coronakrise nur durchhalten, um dann wieder die alte Normalität zu genießen?

Ostern lädt zum Aufbruch ein. Guter Gott, was willst du jetzt in dieser Situation von mir? Welchen Aufbruch hast du für mich vorbereitet? Wir können Gott auch bitten: Zeig uns doch ein wenig von dem Schönen, das du gerade vorbereitest und woran wir mitarbeiten dürfen.

Die Osterfreude ist die Freude über einen Aufbruch, der aus einem Zusammenbruch entstanden ist.

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