Ein Gesicht aufsetzen wie auf einem Heiligenbild.

Papst Franziskus hat einmal gesagt: „Einige meinen, Frömmigkeit bedeute, die Augen zu schließen, ein Gesicht aufzusetzen wie auf einem Heiligenbild, so zu tun als sei man wie ein Heiliger. Das ist nicht die Gabe der Frömmigkeit, das ist Frömmelei.“

Du bist im Teil 7 von 8 über die 7 Gaben des Hl. Geistes – diesmal geht es um die Gabe der Frömmigkeit.

Die Gabe der Frömmigkeit ist eine Triebkraft und Steuerkraft der Liebe, mit der der Hl. Geist alle unsere natürlichen Anlagen und Kräfte anregt und auf Gott ausrichtet.

Weil alles was gut und schön ist, unsere Liebeskräfte anzieht und an sich bindet, können wir hier auch in die Irre laufen. Wir können uns so stark in unsere Vorzüge und Stärken verlieben, dass wir als menschliche Persönlichkeit immer um uns selber kreisen. Dann werden wir zum Narzissten. Mit allen anderen Schönheiten des Lebens und der Welt kann es uns ebenso ergehen. Dann kreisen wir nur mehr da drum, bis es uns einmal anödet. Wir können von den natürlichen Schönheiten im Laufe der Zeit so fixiert sein, dass wir gottunfähig werden.

Mit der Gabe der Frömmigkeit lenkt der Hl. Geist unseren Blick auf die vollkommene Schönheit Gottes. Für die größere Schönheit in Gott macht die Gabe der Frömmigkeit uns frei vom Schönen in der vergänglichen Natur. Diese Wirkung nennt Pater Kentenich die Enttäuschungs- und Weiterleitungsfunktion aller geschöpflichen Dinge zum Schöpfer hin. Der Hl. Augustinus hat das so ausgedrückt: „Unruhig ist unser Herz, o Gott, bis es Ruhe findet in dir.“

Bei Pater Kentenich kommt diese Geistesgabe der Frömmigkeit bereits als Veranlagung zum Ausdruck, wenn er einmal bekennt, dass er in Kindheit und Jugend schon bei sich eine Unzufriedenheit mit allem nur Natürlichen empfand und immer einen Drang zum Übernatürlichen spürte. Das Mitgehen mit diesem Drang gestaltete ihn zu einer total göttlich durchseelten Persönlichkeit.

Am leichtesten für Freunde und Bekannte konnte das erlebt werden bei der Feier der Hl. Messe. Bei Priesterexerzitien gab es noch keine Konzelebration und darum für jeden Priester Einzelzelebration an Seitenaltären in der Kapelle der Marienau. Ein Priester, der Pater Kentenich dabei Ministrantendienste anbot, war von der intensiven Konzentration Herrn Paters und einer Heiligkeitsatmosphäre am Altar um seine Person von dem einen Mal des Ministrantendienstes so berührt und selbst durchdrungen, dass ihn das nach fünfzig Jahren als alten Mann noch zutiefst innerlich formte.

Die Gabe der Frömmigkeit macht uns nicht zu einem fromm dreinschauenden Menschen. Sie macht uns zu einem authentischen Menschen, bei dem Glaube und Leben identisch sind.

Wir wollen heute um die Gabe der Frömmigkeit beten, und tun dies mit einem Vers aus dem Psalm 63:
Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich / Wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. (Ps 63,7)

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