Gott spüren – Geht das?

Nachdem der Grppeimpfstoff derzeit aus ist, mein Internist aber darauf besteht, dass ich mich Grippeimpfen lasse, habe ich mich in einer Apotheke erkundigt, wann es denn wieder einen Impfstoff geben wird. Das Gespräch mit der sehr netten Apothekerin hat schon gut getan. Die Krönung war aber, dass sie dann von hinten 2 Ampullen hervorgeholt hat: „Die hab ich noch da, für Sie und ihre Frau!“

Wir haben uns beschenkt gefühlt, beschenkt von der Apothekerin und beschenkt von Gott. Und beim abendlichen Tagesrückblick waren meine Frau und ich überzeugt: Da haben wir Gott gespürt.

Haben wir wirklich Gott gespürt? Also, persönlich sind wir davon überzeugt. Aber kritisch hinterfragt: Das war ja die Verkäuferin, die uns beschenkt hat. Und es war nicht einmal geschenkt, den Grippeimpfstoff mussten wir ja bezahlen. Und überhaupt: Wieso hat die Verkäuferin irgendwo noch einen Impfstoff, wenn er eigentlich aus ist? Viele logische Überlegungen lassen sich anstellen und am Ende ist alles zerdacht und es ist äußerst fraglich, ob Gott spürbar war.

Gott spüren ist keine Kopfsache. Gott spüren ist ein ganzheitliches Erlebnis, das sich nicht rein rational erklären lässt. Es lässt sich überhaupt nicht rational erklären, sondern eben nur spüren. Wenn ich Gott spüren kann, dann ist das ein ganz kostbares Geschenk. Diesem Geschenk gebe ich einen Ehrenplatz in meiner Seele, und hin und wieder hole ich es hervor und schaue es mir an. Ich kann es dann nachkosten. Nicht nacherzählen, wie ich es am Anfang dieses Beitrags getan habe, sondern richtig nachkosten mit allen Sinnen. Wenn ich jetzt darüber schreibe, sehe ich das strahlende Gesicht der Apothekerin vor mir und wie sie sich mitgefreut hat, weil sie uns eine Freude machen konnte.

Ein Erlebnis, wo wir uns besonders beschenkt fühlen: da können wir leicht Gott spüren. Aber wie oft passiert das? Ist Gott nicht immer da? Sollten wir ihn daher nicht dauernd spüren können?

Das Nachkosten (nicht  nur Nacherzählen) von Erlebnissen des Tages am Abend ist sicher eine Möglichkeit, Gott mehr auf die Spur zu kommen: Was war heute schön? Was hat heute gut getan? Und natürlich erkennen wir dabei, wieviel Gutes und Schönes uns jeden Tag passiert. Es macht uns dankbarer.

Aber: Die seltenen kostbaren Momente, wo wir Gott ganz besonders spüren, wird es auch geben. Die bekommen dann den Ehrenplatz in unserer Seele.

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