„Ich würde es ohne Wein versuchen.“

Einer seiner Schüler erzählte dem Pater Kentenich, dass er für unangenehme Dinge und alles, was er tun muss und nicht mag, den Wein zu Hilfe nimmt und dann gehts.  Am folgenden Tag hat er einen Abschied und eine Versetzung vor sich, die ihm gar nicht behagt. Pater Kentenich sagte nur: „Ich würde es ohne Wein versuchen.“ Kurze Zeit später bekam Kentenich Post von dem jungen Mann, dass er den Abschied ohne Wein geschafft hat und dass er sich jetzt sehr glücklich fühlt mit einem ganz neuen Persönlichkeitsgefühl. Durch diese einfachen Worte Kentenichs hat die Gabe der Stärke einen Jungen zum Mann aufgebaut.

Du bist im Teil 5 über die 7 Gaben des Hl. Geistes – diesmal geht es um die Gabe der Stärke.

Die Gabe der Stärke ist für einen Menschen die Teilhabe an der (All-)Macht Gottes, die ganz von seiner selbstlosen Liebe gelenkt wird. Weil Macht in unserem demokratischem Denk- und Lebensgefühl einen verdächtigen Beigeschmack hat, kann unterschwellig diese Gabe des Hl. Geistes sehr verkannt werden. Aber für den Hl. Geist ist diese Gabe ein wichtiger Baustein für den Aufbau einer festen, gesunden und lebensstarken Persönlichkeit. Die göttliche Macht und Stärke ist wie Gott ewig und kennt keine Grenzen und Ermüdungserscheinungen wie unsere Stärken und Kräfte. Deshalb setzt der Hl. Geist meist an unseren Schwachstellen und Grenzerfahrungen seine Gabe der Stärke ein und schenkt uns Ganzheitserfahrungen nach Bruchstück-Erlebnissen. Ganzheitlich wirkende Menschen nennt  Josef Kentenich „geschlossene Persönlichkeiten“. Die Mitmenschen stellen dann meist fest, dass eine Autorität von solchen Persönlichkeiten ausstrahlt, von der man sich angstfrei und wohltuend beeinflussen lassen kann. Die klare Souveränität, die von solchen freien Menschen ausgeht, zeigt uns die Wirkung der Gabe der Stärke.

Die Freiheit besteht ja in der Sicht Kentenichs in der Entscheidungsfähigkeit und in der Durchsetzungsfähigkeit dessen, wofür wir uns entscheiden. Wenn wir da an unsere Vorsätze denken, wie lange wir diese z.B. durchhalten, finden wir schnell die Baustellen bei uns, die der Hl. Geist mit der Gabe der Stärke vom Enttäuschungserlebnis zum Erlebnis machen kann.

Als Menschen haben wir nur sehr begrenzte Kraft, die umso schneller müde wird und erschlafft, je mehr wir sie beanspruchen. Die Stärke des Hl. Geistes lässt uns oft mit Freude feststellen, dass wir über uns hinauswachsen können: „Das hätte ich mir nie zugetraut. Ich kenne mich doch!“

Wir wollen daher heute um die Gabe der Stärke bitten mit einem Vers aus dem Psalm 29, der gleichzeitig darauf verweist, wozu diese Stärke führen soll:

Der Herr gebe Kraft seinem Volk. / Der Herr segne sein Volk mit Frieden. (Ps 29,11)

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