Meine Güte

An unserem Ort führt eine Umfahrungsstraße vorbei. Neben der Umfahrungsstraße ist ein Feldweg, den ich manchmal für einen Spaziergang nütze, aber eben nur manchmal und nur dann, wenn die Windrichtung passt. Auf dem Feldweg neben der Straße ist es laut und man riecht die Abgase der Autos und leider atmet man diese Abgase auch ein. Die Umweltbedingungen neben der Umfahrungsstraße sind zwar nicht lebensbedrohend aber so richtig einladend sind sie auch nicht. Ein Stück weiter von mir weg befinden sich die Donauauen. Dort ist es angenehm. Es ist dort auch nicht ruhig. Das Vogelgezwitscher kann richtig laut sein. Aber es ist viel angenehmer als der Autolärm. Die Au ist auch nicht geruchsfrei. Im Gegenteil, es herrscht hier dieser typische Augeruch vor, der aus der Verbindung von Zerfall und neuem Leben entsteht. Ich liebe diesen Geruch, weil er mir so vertraut ist.

Wenn ich nur schnell eine kleine Runde drehen will, dann führt mein Weg an der Umfahrungsstraße entlang. Wenn ich entspannen und neue Kraft tanken möchte, dann geht’s durch die Au.

Jedes Leben hat die Eigenschaft, dass es in einem lebendigen Austausch mit seiner Umgebung steht. Das Leben auf einer Umfahrungsstraße genauso wie das Leben in der Aulandschaft. Und für uns Menschen gilt das ganz besonders: Wir stehen in lebendigem Austausch mit unserer Umgebung und mit anderen Menschen. Und es ist für unsere Umgebung nicht egal, wie wir sind. Verbreiten wir Lärm und Abgase wie die Straße oder Ruhe und ein gutes Klima wie die Aulandschaft.

Sollen sich die Menschen in meiner Nähe wohl fühlen oder bin ich froh, wenn keiner in meine Nähe kommt? Egal, wie auch immer, was macht es mit mir? Wenn ich mich jemandem zuwende und ihn meine Güte erfahren lasse, dann macht das was mit mir. Dann geht von mir eine Kraft aus, eine Kraft, die in mir in diesem Augenblick entsteht. Wenn ich umgekehrt dem anderen voll mit schlechten Gedanken gegenübertrete: „Den kann ich nicht leiden“, „Warum ist der immer so komisch“, „Der soll mir gestohlen bleiben“, dann verliere ich an Kraft.

Güte ist also eine Kraftquelle, zuerst für den Gütigen und dann für seine Umgebung. Zur Güte gehört die Großmut dazu. Großmut weitet das Herz und auch das tut in erster Linie dem gut, der großmütig ist und großmütig handelt. In zweiter Linie spürt das natürlich auch die Umgebung.

Für einen Christen ist es eine entscheidende Frage, ob er seine Umgebung positiv prägen kann. Apostolat heißt ja nicht, die Menschen zum Glauben zu überreden, sondern Zitat Paulus: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe“ (Phil 4,5). Der gütige und großmütige Mensch wird zum Geschenk für seine Umgebung ohne dass er viel reden muss. „Lass Christusträger für die Zeit mich sein“, betet Pater Kentenich im Stundengebet (Laudes). Was heißt Christusträger sein? Es heißt: wenn Christus in mir lebt, dann lasse ich die Mitmenschen meine Güte spüren. Und daraus entsteht ein schöner innerseelischer Vorgang. Wenn Christus in mir lebt und wenn ich mich anderen in Güte zuwende, dann beginne ich die anderen mit den Augen Christi zu sehen. Und dann sehe ich die anderen groß, dann habe ich Freude an ihnen und ich sage es ihnen auch. So werde ich mit der Zeit Christus ähnlich.

In unserem Hausheiligtum hängt das Bild der Gottesmutter Maria und wir sind überzeugt, dass Sie uns verändern will. Sie will uns zu Christusträgern machen und indem wir uns auf Sie einlassen, wächst unsere Güte  und wir werden langsam Christus ähnlich.

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