Wenn Gott uns a Rutschn legt – Rutschn 1

Den Ausdruck „A Rutschn legn“ habe ich oft gehört, vor allem in Wien. Laut Mundartlexikon bedeutet er so viel, wie: Jemandem etwas erleichtern oder ermöglichen. Mich erinnert er an meine Jugend, wo der Kohlenmann (das war der, der die Kohle zugestellt hat) eine Rutsche dabei hatte. Die Rutsche wurde beim Kellerfenster angelegt, und dann ist die Kohle ganz einfach in den Keller gerutscht. Ich bin nicht sicher, ob der Ausdruck „A Rutsch legn“ darauf zurückgeht, aber es könnte durchaus sein.

Wobei ich mir sicher bin: dass Gott uns immer wieder a Rutschn legt. Er möchte es uns erleichtern mit ihm in Verbindung zu stehen. Die Rutschn, die Gott uns legt, sind recht unterschiedlich, man könnte sie in etliche Kategorien einteilen. Ich möchte 2 Arten von Rutschn in Erinnerung rufen, eine heute, die 2. beim nächsten Mal.

Da ist zunächst die Freudenrutsche. Da lässt sich Gott nicht lumpen, die Freudenrutsche kommt mehrmals täglich zum Einsatz: ein nettes Gespräch, das Kind, das mich anlächelt, das gute Essen, der Sonnenstrahl nach einigen nebeligen Tagen, das lustige Erlebnis, die fertiggestellte Arbeit, eine gute Tasse Kaffee oder Tee … Die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen. Wer diese Freudenrutschen wahrnimmt, der geht deutlich glücklicher durchs Leben. Wer dann auch noch diese Rutsche dankend annimmt, dem wird selbst Schwieriges leichter fallen. Dafür ist sie ja die Rutsche da: dass sie die Arbeit erleichtert. Leider gibt es eine undurchsichtige Mauer, die man zwischen sich und Gottes Rutschn stellen kann. Diese Mauer heißt Selbstverständlichkeit.

Ein Tipp für den Alltag: Löcher schlagen in die Selbstverständlichkeits-Mauer, damit der Blick frei wird auf die Freudenrutschen Gottes. Ganz konkret: mit offenen Sinnen und einem Danke auf den Lippen durch den Tag gehen. Und immer, wenn einem etwas Schönes unterkommt oder wenn etwas gelungen ist, ein schlichtes „Danke, guter Gott“ innerlich aussprechen. Oder am Abend den Tag Revue passieren lassen, und wahrnehmen: „Da wurde ich beschenkt.“

Gott legt uns die Freudenrutschn, damit wir es leichter haben mit ihm in Verbindung zu kommen.

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